Gedanken eines Lauchs

GEDANKEN EINES
LAUCHS

Mittwoch, 06.02.2019

Zusammen mit den drei anderen Edellauchs veranstaltet Julian Heun den SLAM 2019. Julian kennt ihr als Slammer, Moderator oder „wohlfrisierten Edelknecht“. Aber was macht das eigentlich mit ihm, so ein großes Event zu veranstalten?

Wenn ich ehrlich bin, hab ich manchmal einfach nur Angst. Der SLAM 2019 ist riesig. Tempodrom, Admiralspalast, Gesamtvolumen 14.000 Zuschauer. Das klingt gigantisch. Aber gleichzeitig sind es 100.000 kleine Schritte bis zur Verwirklichung und vier kleine Einzelköpfe, die rotieren, heiß laufen und mächtig aufgeregt sind. Und eben auch Angst haben, denn ich bin ein ängstlicher Typ. Kommen die Leute? Sind die Slammer*innen zufrieden? Bekomme ich kurz vor der großen Finalmoderation einen unheilbaren Schluckauf?

Aber es braucht auch Mut zu sagen: Wir vier Freunde, mit brillianten Stärken und absurden Schwächen, machen das einfach. Wir setzen uns drei Jahre lang in ein kleines Büro über einem Automatencasino im Wedding und erträumen uns, wie die perfekten Meisterschaften für uns aussehen. Das ist am Anfang wie eine Textidee: vage und man weiß gar nicht, ob das, was man da im Kopf hat, überhaupt in die Realität übertragbar ist. Aber dann fängst du an zu arbeiten und auf einmal beginnt aus dem Nichts ein Gerüst zu entstehen. Deine Lieblingslocations sagen zu, die ersten Grafikentwürfe schmeicheln dem Auge – du schaust und siehst: es wird. Und es wird gut.

Bei den deutschsprachigen Meisterschaften 2007 in Berlin stand ich als schlecht frisierter 19-Jähriger auf der Bühne des Admiralspalastes und trug ein einziges, wütendes Gedicht vor. Ich wusste nicht, wie man ein Mikro einstellt und musste deswegen die ganze Zeit mit gesenktem Haupt sprechen. Aber es war irgendwie mein Moment und am Ende wurde ich deutschsprachiger U20-Meister. Alles, was ich heute kann und habe, hat dort auf eine Art angefangen. In diesem Jahr werde ich 30 Jahre alt kehre in den Admiralspalast zurück. 120 Poet*innen und 120 Slammaster*innen kommen aus fünf Ländern herbei, um ihre Kunst vorzustellen. Der Ehre, ihnen und ihrer Kunst ein Heim und eine Bühne zu bieten, muss man mit Demut begegnen.

Poetry Slam ist seit 2007 gewachsen, vor allem in Berlin. Aber was Poetry Slam genau ist, kann niemand je sagen. Nicht die Vice und keine betrunkenen Literaturredakteure und nicht eure Deutschlehrerin. Was Poetry Slam ist und kann wird im Oktober von 150 Poet*innen auf der Bühne neu verhandelt. Ich werde da sein. Und ihr auch.

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen und Tickets gibt es hier.